stereotyp


stereotyp

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ste|reo|typ [ʃtereo'ty:p] <Adj.>:
feststehend, unveränderlich, ständig [wiederkehrend]:
ein schlechter Roman mit stereotypen Phrasen, Figuren.
Syn.: abgedroschen (ugs.), formelhaft, nichtssagend.

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ste|reo|typ 〈Adj.〉
1. mit feststehender Schrift (gedruckt)
2. 〈fig.〉
2.1 ständig wiederkehrend, immer wieder gleich, formelhaft
2.2 feststehend, unveränderlich
● \stereotype Antwort, Redewendung 〈fig.〉; ein \stereotypes Lächeln 〈fig.〉 [→ Stereotypie]

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ste|reo|typ <Adj.> [frz. stéréotype, eigtl. = mit gegossenen feststehenden Typen gedruckt, zu griech. steréos = starr, fest u. týpos = Schlag; Eindruck; Muster, Modell]:
1. (bildungsspr.) (meist von menschlichen Aussage-, Verhaltensweisen o. Ä.) immer wieder in der gleichen Form [auftretend], in derselben Weise ständig, formelhaft, klischeehaft wiederkehrend:
eine -e Antwort;
-e Redensarten;
ein -es (unecht, maskenhaft wirkendes) Lächeln;
etw. s. wiederholen.
2. (Druckw.) mit feststehenden Schrifttypen gedruckt.

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Stereotyp
 
das, -s/-e,  
 1) Psychologie und Psychiatrie: erstarrte Form von Verhaltensabläufen, die in bestimmten Situationen hervorgerufen werden und sich relativ invariabel vollziehen; auch erstarrte, wiederholte oder andauernde Bewegung (Bewegungsstereotyp) oder sprachliche Äußerung (Verbigeration), die ohne sinnvollen oder ersichtlichen Bezug zur Umwelt hervorgebracht wird; in stärkerer Ausprägung z. B. bei Schizophrenie oder Hirnerkrankungen.
 
 2) Sozial- und Kommunikationswissenschaft: vereinfachende, verallgemeinernde, schematische Reduzierung einer Erfahrung, Meinung oder Vorstellung auf ein (meist verfestigtes, oft ungerechtfertigtes und gefühlsmäßig beladenes) Vorurteil über sich selbst (Autostereotyp) oder über andere (Heterostereotyp). Nach der in den 1940er-Jahren vorgelegten Theorie von W. Lippmann (weiterentwickelt von N. Luhmann) stellt die Bildung von Stereotypen ein rationelles Verfahren des Individuums zur Reduktion der Komplexität seiner realen Umwelt dar. Das Stereotyp erhält seine Dauer durch selektive Wahrnehmung, es gründet sich auf das (unbewusste) Streben nach Vereinfachung, Eindeutigkeit, Stimmigkeit, Stabilität. Stereotyp wohnt die Tendenz inne, sich zu verselbstständigen, mit der Gefahr, als allumfassende, »totalisierende« Erklärung Zuspruch zu finden. Dadurch werden die vorhandenen Differenzierungen verwischt und Konflikte zwischen gesellschaftlichen Gruppen verschärft. Stereotype bilden so die Voraussetzung für die Diskriminierung von Minderheiten, für die Ausbildung von Feindbildern, Rassismus und Sexismus. Sie werden u. a. von einer sozialspsychologisch ausgerichteten Vorurteils-, Friedens- und Konfliktforschung, von Pädagogik, Meinungsforschung und von der allgemeinen und vergleichenden Literaturwissenschaft (»komparatistische Imagologie«) erforscht. Der Begriff Stereotyp fand auch Eingang in Elisabeth Noelle-Neumanns Theorie der öffentlichen Meinung. (Vorurteil)
 
 
P. R. Hofstätter: Das Denken in S.en (1960);
 W. Lippmann: Die öffentl. Meinung (a. d. Engl., 1964);
 G. W. Allport: Die Natur des Vorurteils (a. d. Engl., 1971);
 W. Manz: Das S. (21974);
 
Schwerpunkt Feindbilder, bearb. v. R. Steinweg (1975);
 E. Schwarz: Die sechste Schwierigkeit beim Schreiben der Wahrheit. Zum Gruppendenken in Leben u. Lit., in: Die USA u. Dtl., hg. v. W. Paulsen (Bern 1976);
 A. Schaff: S. u. das menschl. Handeln (Wien 1980);
 H. Tajfel: Gruppenkonflikt u. Vorurteil. Entstehung u. Funktion sozialer S.en (a. d. Engl., Bern 1982).
 

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Ste|reo|typ, das; -s, -e: 1. ([Sozial]psych.) vereinfachendes, verallgemeinerndes, stereotypes Urteil, [ungerechtfertigtes] Vorurteil über sich od. andere od. eine Sache; festes, klischeehaftes Bild: ... die es auch dem Mann unmöglich macht, das herkömmliche S. von Männlichkeit weiterhin ungebrochen zu verwirklichen (Richter, Flüchten 65); Kaum ein Volk wird so von -en verfolgt ... wie US-Indianer (Oxmox 9, 1984, 22). 2. (Psychiatrie, Med.) stereotype (1) sprachliche Äußerung od. motorische Bewegung.

Universal-Lexikon. 2012.

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